Geschichte der Psycho-Physiognomik

Viele behaupten, die Psycho-Physiognomik wäre eine Pseudowissenschaft, sie ist jedoch eine Erfahrungswissenschaft, deren Ursprünge bis ins China des zweiten Jahrtausends v. Chr. zurückreichen. Die Kunst des Gesichtlesens hat in China bis heute eine weit verbreitete Tradition.

Auch in unserem Kulturkreis hat das Gesichtlesen eine sehr lange Tradition. Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen stammen von Hippokrates von Kos (460-377 v. Chr.), auf den die Mediziner auch ihren Hippokratischen Eid geschworen haben. Er gilt auch als Begründer der Patho-Physiognomik, bei der es speziell darum geht, Krankheiten aus dem Gesicht zu erkennen. Viele Heilpraktiker verwenden sie als Grundlage für ihre Anamnese.

Aristoteles (384-322 v. Chr.), ein Schüler Platons, systematisierte sein physiognomisches Wissen und fasste es in dem Buch „Physiognomica“ zusammen.

Im 18. Jahrhundert trug Johann Caspar Lavater (1741-1801) durch seine vier Bände der „Physiognomischen Fragmente zur Beförderung der Menschenkenntnis und Menschenliebe“ wesentlich zur Verbreitung der physiognomischen Erkenntnisse bei.

Auch zahlreiche Persönlichkeiten leisteten wertvolle Beiträge, die Psycho-Physiognomik weiter zu entwickeln. Dazu gehört Philosophen wie Kant (1724-1804), Schopenhauer (1788-1860) und Schelling (1775-1854) und insbesondere der Dichter und Literat Goethe (1749-1832).

Der deutsche Arzt Franz Josef Gall (1758-1828) begründete mit der Phrenologie (Schädelkunde) die Lehre, dass das Gehirn das Zentrum für alle mentalen Funktionen sei und trug damit wesentlich zu neuen Erkenntnissen in der Medizin und der Physiognomik bei.

Der deutsche Porträtmaler Carl Huter (1861-1912) fasste das gesamte physiognomische Wissen seiner Zeit zusammen und begründete die Psycho-Physiognomik. Das von ihm geschaffene System ist in seinen wesentlichen Zügen auch heute noch gültig.